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"Technische Fakultät uncovered" mit Bastian Rapp

livMatS-Wissenschaftler Bastian Rapp gibt in einem Interview Einblicke in seine Arbeit

Jul 12, 2023

"Mir ist vor allem wichtig, dass Studierende sehen, wie unglaublich wichtig ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihre Ideen sind und sein werden", sagt Bastian Rapp.

Die Reihe „Technische Fakultät uncovered“ stellt jede Woche eine Professorin oder einen Professor der Technischen Fakultät der Universität Freiburg vor. Die Professor*innen gewähren Einblicke in ihre Tätigkeit als Wissenschaftler*innen und Lehrpersonen und verraten dabei sogar das eine oder andere Geheimnis über sich. Diesmal: Bastian Rapp, Professor am Institut für Mikrosystemtechnik und Inhaber der Professur für Prozesstechnologie.

Herr Rapp, was verbinden Sie mit Mikrosystemtechnik?

Bastian Rapp: Nachhaltigkeit ist das Gebot der Gegenwart, keine andere Fragestellung bewegt die Menschheit und vor allem die junge Generation so sehr. Und zu recht – wenn wir keinen Weg finden, die Klimakrise und die Probleme einer nicht nachhaltigen Wirtschaft zu lösen, werden wir uns Herausforderungen gegenübersehen, die wir nicht mehr bewältigen werden können. Als Wissenschaftler ist unsere Aufgabe, heute Lösungen vorzuschlagen, dass es nicht so weit kommt. Weniger Ressourcen, Material, Raum und Energie zu benötigen, um die gleiche oder eine höhere Funktion zu erreichen, ist die Quintessenz der Mikrosystemtechnik. Keine andere Wissenschaft hat in den letzten Jahren einen vergleichbaren Sprung in der Technologie erreicht - man denke nur an die Supercomputer, die wir heute mit uns in der Tasche tragen. Das alles hätte es ohne Mikrosystemtechnik nicht gegeben. Einen solchen Innovationssprung haben wenige Technologien vorzuweisen.

Was ist Ihr Hauptforschungsgebiet und warum begeistert es Sie?

In meiner Forschung beschäftige ich mich mit der Frage, welche neuen Materialien und Materialsysteme wir zur Lösung von technischen und gesellschaftlichen Problemen benötigen, wie man diese Materialien herstellen kann und wie man sie verarbeitet. Das ist ein spannendes Forschungsfeld, weil Materialien die Kernzutat für so ziemlich jedes technische System sind. So haben wir bei mir am Lehrstuhl für Prozesstechnologie beispielsweise den Spritzguss von Glas im 3D-Druck Verfahren erfunden. Wir forschen aber auch an taktilen Oberflächen, die es sehgeschädigten Menschen erlauben, Texte und Bilder zu ertasten. Wir überlegen uns, wie man Wärme in Materialien speichern kann, wie man Materialien programmieren kann und wie die nächste Generation von 3D-Druckverfahren aussieht, bei denen man ein komplexes Bauteil direkt im freien Raum erstehen lassen kann.

Was lernen die Studierenden bei Ihnen und welche Aspekte sind Ihnen besonders wichtig?

Mir ist vor allem wichtig, dass Studierende sehen, wie unglaublich wichtig ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihre Ideen sind und sein werden. Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, die kommende Generation von Pionier*innen, Problemlöser*innen und Innovator*innen auszubilden. In den Köpfen der jungen Menschen werden und müssen die Lösungen für die Probleme unserer Zeit entstehen. Ich finde es ungemein wichtig, dass die jungen Menschen verstehen, dass es nicht nur darum geht, einen Spezialisierungsstudiengang zu absolvieren oder gute Noten auf dem Papier zu bekommen. Das ist auch wichtig. Es ist aber viel wichtiger zu verstehen, dass die Universität kein Tor ist, durch das man geht und hinter sich schließt. Die Universität ist der Schlüssel, mit dem man unendlich viele Türen öffnen kann - man muss sich nur darauf einlassen.

Welchen Rat würden Sie Studierenden zu Beginn ihres Studiums geben?

Halten Sie die Augen offen, stellen Sie Fragen, suchen Sie Lösungen. Schauen Sie nicht, was das Minimum ist, das es zu erreichen gibt. Versuchen Sie herauszufinden, was das Maximum ist, das man erreichen kann. Versuchen Sie, sich, ihre Kommilitoninnen und Professorinnen herauszufordern. Versuchen Sie nicht, die besten Lösungen für ein Problem zu finden, versuchen Sie herausrauszufinden, ob das Problem überhaupt die relevante Herausforderung ist. Warum muss man es so machen? Warum machen es alle so? Sollte man es nicht ganz anders machen? Und wenn ja, wie? Kein Arbeitgeber erlaubt es Ihnen, diese Fragen so ausführlich, so umfassend und so weitreichend zu stellen, wie es Ihnen die Universität erlaubt. Wissenschaftler*innen müssen über den Tellerrand hinausdenken und handeln. Wir brauchen diese Freiheit, um auf wirklich neue Gedanken, Ansätze und Lösungen zu kommen. Die Wirtschaft muss immer sicherstellen, dass man mit einer Lösung auch genügend Geld verdient. Das ist notwendig und gut – so sollte Wirtschaft funktionieren. Aber die Wissenschaft hat diese Einschränkung nicht. Die Studierenden haben diese Einschränkung ebenfalls nicht. Im Studium hat man die Zeit und den Raum, sich alles in Ruhe anzuschauen, zu überdenken und zu begreifen. Nutzen Sie diese Chance!

Wie sind die Berufsaussichten für Absolvent*innen?

Die Berufsaussichten in den MINT-Fächern waren nie besser. Die Anzahl an Herausforderungen und Fragestellungen, für die man clevere Technologien braucht waren nie größer und die Zukunft war nie spannender für Menschen, die gerne an Lösungen von gesellschaftsrelevanten Problem tüfteln.

Was ist Ihr Motto für Lehre und Forschung?

Immer die Augen auf den Horizont richten: Was direkt vor uns liegt macht vielleicht das Gehen schwer. Davon sollte man sich aber nie stören lassen. Es ist wichtig, immer im Blick zu haben, wo man hinkommt, wenn man nur immer weitergeht.

Was gefällt Ihnen an der Technischen Fakultät am besten?

Es gibt faktisch keine relevanten Fragestellungen in den MINT-Fächern, die wir hier nicht bearbeiten. Sie werden für jede Frage jemanden finden, der sie Ihnen beantworten kann. Und die Offenheit, mit der hier zusammengearbeitet und geforscht wird, ist beispiellos. Wer sich langweilt, war noch nie hier!

Was sollten Studierende Ihrer Meinung nach über Sie wissen?

Ich wollte immer Erfinder werden. Als man mir sagte, dass das kein Ausbildungsberuf ist, bin ich Wissenschaftler geworden – das war im Wesentlichen die gleiche Jobbeschreibung.


Originalartikel auf der Website der Technischen Fakultät